Familie Titze

75 Jahre Hoteliersfamilie

Familie-Titze

Von links: Wolfgang, Peter, Lilly und Hans Titze im Jahre 1954

Im Jahre 1928 kaufte Hans Titze und sein Frau Lilly in Zuckmantel das vormalige Hotel Graber.
Der alte Graber war viele Jahre Bürgermeister von Zuckmantel. Sein Sohn Heinrich musste nach dem Einmarsch der Tschechen im Jahre 1919 über Nacht alles verlassen, da ihm, unberechtigter Weise, Spionage vorgeworfen wurde. Das Hotel wechselte dann in den 20er Jahren mehrmals den Besitzer. Es waren wirtschaftlich sehr schlechte Zeiten, da auch die Grenzen nach Deutschland nur schwer passierbar waren.
Zum Hotel gehörte viel Grund und Boden. Der ganze Rochusberg und bis zur Petersdorfer Strasse.
Bei der Neugestaltung des Hauses wurden als erstes der Speisesaal und das Cafe auf das modernste eingerichtet. Neben dem Hotel entstand ein „Terrassen Café".

Das Haus erfreute sich im Laufe der Zeit allgemeiner Beliebtheit. Als die Grenzen in den 30er Jahren wieder offen waren, kamen viele Gäste auch aus dem Altreich. Die „goldenen Jahre" nach dem Anschluss hatten begonnen.

Leider musste Vater Titze schon 1940 zum Militär. Seine Frau Lilly führte das Haus bis zum März 1945 alleine weiter. Vater Titze kehrte im September 1946 aus russischer Gefangenschaft zurück und wurde, mit dem Rest der Familie, innerhalb von nur 2 Tagen aus der Heimat vertrieben.

Sie kamen in die Nähe von Augsburg. Ihr Sohn Hans Wolfgang war nach 10monatiger Haft in Prag, bereits seit 3 Wochen hier. Nach einem Jahr Arbeitslosigkeit konnten Vater und Sohn wieder als Kellner in ihrem erlernten Beruf tätig sein.
Hans Wolfgang ging für 3 Jahre in die Schweiz (Hotelfachschule und arbeiten) und ausserdem noch nach England (Sprache).

Im Jahre 1954 gelang es der Familie in Augsburg wieder selbständig zu werden. Sie pachteten in der Altstadt das Hotel „Blaues Krügle" mit Restaurant. Der Erfolg blieb nicht aus und so übernahmen sie im Jahre 1956 im neu eröffneten Stadttheater die Gastrono-
mie. Diese blieb bis 1990 unter ihrer Leitung.

Ausserdem baute die Familie 1959 im kleinen Walsertal das Hotel „Montana". Leider erkrankte Vater Titze an einer schweren Krankheit und starb 1964 im Alter von nur 62 Jahren. Viel zu früh. Das Hotel wurde verkauft und in Augsburg zwei Innenstadthäuser, mit je einer Gaststätte erworben.

Sohn Peter führte sehr erfolgreich. bis zum Jahre 1995 in Augsburg die Piano Bar „Apricot". Das Hotel Titze in Zuckmantel wurde Ende der 90er Jahre abgerissen. Es musste dem Autobus-Bahnhof weichen. Die Titze-Wiese, auf der sich im Winter Skifahrer und Rodler tummelten, ist heute bis zum Rochuskircherl Flugwald.

Leider kann die Familien-Tradition in der nächsten Generation nicht weitergeführt werden, weil beide Söhne kinderlos sind. Mutter L. Titze stammte aus Lobenstein und war die älteste noch lebende Grossnichte des Bauernbefreiers Hans Kudlich.

Im Übrigen beteiligte sich W. Titze, zusammen mit Josef Kutzer und Gustav Reinelt an der Herausgabe des Zuckmantler Heimatbuches (in 2. Auflage).

H. W. Titze

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