Geschichte, Geschichten

ZUCKMANTEL, wie es früher einst war

Ein liebes Städtchen, in die letzte Talmulde vor den Bergen hingestreut und vom Goldbach (Mieserichbach) durchflossen. Die Gründung des Ortes, die mit dem Bergbau zusammenhängt, wird nach den Forschungen Prof. Dr. Josef Pfitzner in das Jahr 1224 zu verlegen sein.

Deshalb wurde unter Bürgermeister Alois Kunz im Jahre 1924 das glanzvolle Fest der
700 Jahr - Feier festlich begangen. Als Festschrift erschien damals Pfitzners Dissertation über die “Verwaltung des Bistumslandes“, die seinen wissenschaftlichen Aufstieg begründet hat. Doch ist die Entstehung einer Siedlung sicherlich in ältere Zeit zu verlegen. Der Name hat noch immer keine glaubwürdige Deutung erfahren. Das begehrte Gold wussten auch die früheren Menschen schon zu finden. Das kostbare Erz hat die unglückliche Stadt, in viele Kämpfe und geschichtliche Veränderungen hineingedrängt. 1281 wird die Stadt und Burg Edelstein, von der aus Otto von Linau das Bistum beunruhigt hatte, an den Bischof abgetreten. Herzog Nikolaus II. aber hat es wieder dem Fürstentum Troppau einverleibt.

Von seinem Sohn erhielt Zuckmantel wie Leobschütz und Troppau 1433 das Münzrecht zugesprochen. Doch fiel die Stadt bald wieder an den Bischof. Die Hussiten zerstörten die Stadt Erlitz am Althackelsberg so gründlich, dass man kaum ihren Ort angeben könnte. Sie besetzten die Burg Edelstein. Erst Bischof Jodokus von Breslau konnte sie nach schweren Kämpfen 1467, von dort verdrängen.

Im 16. Jahrhundert entwickelte sich, von den Bischöfen sehr gefördert, der Bergbau zu einer bedeutenden Höhe. Von dieser Zeit zeugen noch die vielen Schächte und Stollen in den Wäldern um die Stadt bis nach Ziegenhals. In den Jahren 1590–1591 wurden auf dem Querberge Goldklumpen im Gewicht von 4 und sechs Pfund gefunden, die an die Schatzkammer des Königs Rudolf II geschickt wurden. Im Rathaus war vom grössten eine genaue Zeichnung vorhanden, welche bei der Ausstellung 1924 grosses Interesse fand.

Im Jahre 1525 wurde die Schützengesellschaft gegründet.1632-1633 wurde die blühende Stadt von der furchtbaren Pest heimgesucht. Der damals sehr regsame Bürgermeister Johann Georg Nentwich versuchte vergeblich gegen diese anzukämpfen. Hunger und Verwilderung der Sitten suchte er zu mässigen. Er errichtete die heute noch als Museum eingerichtete Alte Post. Als sich Kaiser Joseph mit Friedrich dem Grossen in Neisse traf, nahm er Quartier in der Alten Post. Der schmucke Barockbau, ziert die Hauptstrasse seit über 200 Jahren. Nentwich starb 1654, wurde einbalsamiert und in der Pfarrkirche beigesetzt. Sein Bild wurde für das Rochuskichlein gestiftet. So verewigte man den Wohltäter der Stadt aus Dankbarkeit. Die Stadt war immer erfüllt von religiösen Erregungen und wurde bald viel besuchter Wallfahrtsort, da tausende Besucher Jahr für Jahr nach Maria-Hilf kamen.

Das Rochuskirchlein wurde für die Stadt, Pest-Gelöbnisort. Leider ist sie heute in einem erbärmlichen Zustand.

Der Protestantismus konnte sich daher nicht behaupten, dafür aber verlangte der Hexenwahn furchtbare Blutopfer. Die Kriege mit Preussen haben der Stadt wiederholt schwer zugesetzt, ein Sieg der Österreicher am Rochusberg 1779 , wurde in einem Gemälde festgehalten.

Zuckmantel besass eine Bürgergarde, welche bei festlichen Gelegenheiten, wie beim grossen Rochusfeste am 27.August, ausrückte. Seltsame alte Bräuche, wie das Schorrösselreiten im Fasching, hatten sich bis Kriegsanfang 1939 erhalten.

Das schlichte Haus mit dem hölzernen Giebel, das Geburtshaus der Mutter des Liederfürsten Franz Schubert, wurde ungefähr 1922 weggerissen. Obwohl sich damals viele Persönlichkeiten, wie Maler Hürden sehr um die Erhaltung bemüht hatten. Es musste der Vergrösserung des Gasthauses Katholisches Vereinshaus „Sonne“ weichen. Den Gastraum über dem weggerissenen Hause nannte man später „Schubertstüberl“. Dies war die einzige Erinnerung an den Tondichter.

Die Stadt bemühte sich mit den Neuerungen. Sie bekam 189o eine Eisenbahn und es wurden auch Autobuslinien in alle Richtungen geschaffen.

Das Sanatorium Dr. Schweinburg, mitten in den anmutigen, stillen Wäldern gelegen, zog Kurgäste aus der ganzen Welt an. Der Fremdenverkehr erblühte und wurde durch modern ausgestattete Hotels, wie Tham und Titze sehr unterstützt. Die Urlauber konnten in der waldreichen Umgebung, wie Antoni-Peterbaude-Reiwiesen-Moosebruch – Obergrund – Querberg – Maria- Hilf u.A. die herrliche Umgebung geniessen.

Die stattliche Bischofskoppe über der Stadt, mit dem Aussichtsturm des Sudetengebigsvereins, ist der letzte Eckpfeiler des Gebirges vor der preussischen Ebene.

Hans Wolfgang Titze

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