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Wenn wir Zuckmantler, wie es nach Beendigung des kommunistischen Zwischenspiels (45 Jahre) jetzt wieder leichter möglich ist, die alte Heimat besuchen, ist der erste Gang zur Kirche und zum Friedhof. Die Kirche findet man aber leider, seit Jahren nur verschlossen vor. Sie ist eigentlich nur einmal die Woche am Sonntag von 8 Uhr bis 9 Uhr, zur Abhaltung der einzigen Hl. Messe in der Woche geöffnet. Fragt man den Pfarrer warum das so ist, bekommt man die Antwort, dass meist nur Deutsche zum Fotografieren und zum Stehlen kommen würden. Dabei hat er die ganzen Kutzer-Schnitzereien aus der Kirche in Obergrund entfernt und bis heute hat sie niemand mehr zu Gesicht bekommen. Er hat sie sozusagen doppelt gesichert. Er ist ein grosser Deutschenhasser und trägt nicht zum üblichen Bild bei, das man von einem katholischen Pfarrer hat.
Hat man aber doch den Eintritt ins Gotteshaus gefunden, wird man unmittelbar an die schönste Zeit seiner Kindheit erinnert. Denken wir nur an die feierlich begangenen Kirchenfeste. An die Advents- und Weihnachtszeit, an das Oster- und Pfingstfest, sowie an den feierlichen Umzug der Fronleichnams-Prozession.
Der jüngeren Generation möchte ich heute die kurze Geschichte unserer Pfarrkirche erzählen. Sie soll nie vergessen werden.
Von all den vielen Kirchen des Freiwaldauer Bezirkes, ist wohl keine so bekannt und so oft genannt, wie die große, prächtig ausgestattete Pfarrkirche St. Maria Himmelfahrt in Zuckmantel. Am Abhang des Rochusberges stehend und im romanischen Stil erbaut, ragt sie weit über das Stadtbild hinaus. Entstanden ist die durch wohltätige Beiträge unter dem damaligen Pfarrer A. Hoppe im Jahre 1902.
Die Fassade zeigt zwei Türme, mit einem dazwischen liegenden Giebelaufbau. Ein dritter, noch höherer Turm, erhebt sich an der Ostseite der Kirche. Heiligenfiguren aus Sandstein, welche von Schlesischen Bildhauern geschaffen wurden und aus der ersten Hälfte des 18. Jahrhunderts stammten, schmückten einst die Treppen zum Haupteingang und wurden im Jahre 1936 bei der Errichtung des neuen Stiegenaufganges abgetragen. Die heutige Gestalt nahm die Pfarrkirche erst im Laufe der Jahre durch einige Anbauten an. So liess der aus Arnoldsdorf gebürtige Josef Peretzki im Jahre 1780 die Josef-Kapelle erbauen, wo auch sein Leichnam in einer Gruft unter der Kapelle beigesetzt wurde. Seine inzwischen vermoderten Gebeine liess Hochwürden H.Vikar Gerhard Schubert im Jahre 1945 in einen neuen Sarg legen. Früher stand an der gleichen Stelle eine hölzerne Kirche, die dem heiligen Valentin Achatius geweiht war und im Jahre 1699 mit ihren 5 Altären, der Orgel, dem Turm und den Glocken infolge eines Brandes von den Flammen verzehrt wurde. Nur die jetzige alte Sakristei, die im primitiven gotischen Stil erbaut wurde und aus dem 12. oder 13.Jahrhunder stammen dürfte, blieb erhalten. Diese diente damals den früheren Ansiedlern als Kirche. An der Aussenwand (Ostseite) dieser alten Sakristei befand sich noch bei unserer Vertreibung im Jahre 1946 ein Grabstein des am 7.8.1649 verstorbenen Bürgermeisters Johann Zotmantel. Es dürfte wohl der älteste noch erhaltene Grabstein auf dem Friedhof sein. Auf Wunsch und Bitten der Zuckmantler wurde am 21.9.1729 das Gnadenbild aus der hölzernen Maria-Hilf-Kapelle von Pfarrer J.A. Hoppe in feierlicher Prozession in die Pfarrkirche übertragen und am Hochaltar untergebracht. Über 200 Jahre erflehten die zahllosen Gläubigen von dem Gnadenbild Trost und Heilung, sie ehrten und sie schätzten es. Das Gnadenbild - eine Neustädter Arbeit - ist eine Nachbildung des berühmten Passauer Gemäldes „Maria mit dem Kinde“. Das Original von Lukas Cranach, ist heute noch in der Pfarrkirche zum „Hl. Jakob „ in Innsbruck zu sehen. Sie wird von manchen Kunsthistorikern als die herrlichste aller Cranachschen Madonnen bezeichnet wird. Auch die prächtige, silbern vergoldete und getriebene Einfassung des Gnadenbildes dürfte ein Breslauer Goldschmied aus Gold vom Zuckmantler Bergwerk geschaffen haben. Es wurden wiederholt merkwürdige Heilungen bekannt und von weltlichen wie geistlichen Gremien bestätigt; so auch vom Landphysikus Christoph Joseph PACHE im Jahre 1728. Am Nachmittag des 21.3.1833 brannte der frühere Hauptaltar ab, ohne dass das Gnadenbild beschädigt wurde. Durch zahlreiche Spenden konnte der damalige Erzpriester Dr. Filipp Dittrich im Jahre 1835 den heutigen, im Barockstil gehaltenen Hochaltar errichten, der am 4.10.des selben Jahres feierlich eingeweiht wurde. Ein Jahr später wurde in der Pfarrkirche das fürstbischöfliche Wappen angefertigt, welches die Worte „Unter dem Schutze der hilfreichen Mutter 1834“ in lateinischer Sprache umgeben. Die Holzschnitzarbeiten zu dem heutigen Hochaltar wie die Maria-Himmelfahrts-Figur, dürfte der schon damals berühmte Bildschnitzer Bernhard KUTZER 1863 in Obergrund durchgeführt haben. Die den Hochaltar umgebenden über zwei Meter hohen, kunstvoll geschnitzten Figuren, die die 4 Kirchenväter (Gregor 1., Ambrosius, Augustinus, Hieronymus) und den heiligen Valentin Achatius darstellen, stammen ebenfalls von Bernhard Kutzer. Die prächtigen Gemälde an den Wänden, wurden im Jahre 1900 unter dem damaligen Erzpriester Kunze von den Malern Franz Templer (gest. 1930) und Emil Brendel (gest.1950) durchgeführt. Besonders verdienstvoll um die Erhaltung und Ausschmückung der Kirche, hat sich in den letzten Jahren Erzpriester Vinz. Brauner (gest. 1943) hervorgetan. Unter seiner umsichtigen Führung konnten neue Seitenaltäre aufgestellt, die im Weltkrieg abgelieferten Kirchenglocken durch neue ersetzt und elektrische Beleuchtung eingeführt werden. Sein Nachfolger, Hochwürden H.Vikar Schubert, setzte sein Werk, soweit die damaligen Verhältnisse es erlaubten und die Mittel vorhanden waren, unermüdlich fort. Er liess das schöne, von Maler Emil Brendel angefertigte, Rochusbild in der Josefskapelle anbringen. Nicht unerwähnt möchte ich die Schulschwestern und Borromäerinnen lassen, die sich liebevoll des Schmückens und Betreuens der Kirche samt ihrer Altäre annahmen und in selbstloser Weise den Kirchendienst verrichteten. Auch an den letzten Kirchendiener Buchmann möchte ich erinnern.
Pfarrer in Zuckmantel von 1863-1871 Josef ADAM 1888 Karl Neugebauer 1909 Gregor Kunze 1909-1941 Vinzenz Brauner 1941-1946 Gerhard Schubert
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